Thomas Strittmatter Preis 2019

Verliehen an Oliver Kracht für "Die Geschichte des Trümmermädchens Charlotte Schumann"

Der Drehbuchautor Oliver Kracht hat den mit 20.000 Euro dotierten Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg für sein Drehbuch „Die Geschichte des Trümmermädchens Charlotte Schumann“ gewonnen. Die Entscheidung für Oliver Krachts Arbeit wurde von einer dreiköpfigen Jury getroffen, die zwei weitere Stoffe nominiert hatte. Mit ihrem Thomas Strittmatter Preis zeichnet die MFG bereits seit 1999 alljährlich während der Berlinale unverfilmte Fernseh- oder Kino-Drehbücher aus. Beeindruckt zeigten sich die über 300 Gäste in der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs von der Lesung aus dem prämierten Buch durch die Schauspielerin Valery Tscheplanowa. Sie wird auch die Hauptrolle bei der Realisierung des Stoffes durch das Ludwigsburger Produktionsunternehmen simonsays.pictures verkörpern.

 

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, betonte: „Mit Oliver Kracht gewinnt ein außergewöhnlicher Autor den Thomas Strittmatter Preis, dessen filmische Erzählweise in jedem Satz zu spüren ist. Dieses deutsche Nachkriegsepos ist das, was das heutige Kino braucht: eine hervorragend erzählte und gesellschaftlich bedeutende Geschichte.“

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen ergänzte: „Ich gratuliere dem Autor Oliver Kracht herzlich und freue mich schon jetzt auf die MFG-geförderte Verfilmung mit Valery Tscheplanowa in der Hauptrolle. Mit ihrer Lesung beim heutigen Strittmatterpreis hat sie uns bereits einen beeindruckenden Vorgeschmack geliefert, was wir erwarten dürfen."

Aus knapp vierzig Einreichungen, die von der Jury aus Aelrun Goette (Vorsitzende), Eva Mattes und Hendrik Hölzemann in anonymisierter Fassung gelesen wurden, waren zwei weitere Stoffe nominiert: „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ von Bettina Gundermann und Pascal Nothdurft sowie „The Flying Mountain“ von Nicolas Steiner. Bereits die Nominierungen sind mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden.

Die Handlung von Oliver Krachts Drehbuch „Die Geschichte des Trümmermädchens Charlotte Schumann“ ist im Deutschland des Jahres 1946 angesiedelt. Hunger, Trümmer, heimkehrende Soldaten. Charlotte ist schwanger, aber ihr geliebter Heimkehrer will weder sie noch sein Kind. Um ihn für sich zu gewinnen und der drohenden Schande zu entgehen, schreibt sie sich für den “Fräuleinkurs” der Schauspielerin Gloria Deven ein, die im Faschismus ein aufstrebendes Filmsternchen war und nun Arbeitsverbot hat. Doch Gloria mit ihrem gnadenlosen Unterricht ist nicht daran interessiert, die im Krieg unnötig gewordene Koketterie der Mädchen wiederzubeleben. Stattdessen erweckt sie in Lotte die Sehnsucht nach etwas, dass ihr zu lange schon verwehrt wird: Freiheit.

Oliver Krachts Drama soll von der Ludwigsburger simonsays.pictures GmbH realisiert werden.

Die Jury begründete ihre Entscheidung u.a. mit den Worten: „Die Radikalität dieser Geschichte besteht in der ehrlichen Schamlosigkeit, mit der weibliche Rollenbilder vorgeführt werden und in ein irrsinniges Rachespektakel à la Quentin Tarantino münden. Zum Schluss wird nach Heldinnen gerufen – Ikonen müssen her! Doch Charlotte entgegnet: ‚Wir wollen Eure Ikonen nicht mehr. Wir wollen sie weder sehen, noch sein. Eure Zeit ist vorbei, Jungs!‘

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