Stadt Land Kreativ

In der Kreativbranche bewegt sich viel: Neben einem stetigen Wachstum entdeckt sich die Branche auch in ländlichen Regionen. Als landesweites Kompetenzzentrum steht die MFG Baden-Württemberg Kultur- und Kreativschaffenden als Partner zur Seite

Kreative in einer Gruppe zusammen
Die MFG Baden-Württemberg setzt sich für die Vernetzung von Kreativen ein, wie hier beim Creative Hug Offenburg | Bild: MFG Baden-Württemberg / herrfichtner
Eines schönen Morgens

Wer zum ersten Mal von der Kultur- und Kreativwirtschaft hört, ist ihr meist schon begegnet, zum Beispiel beim Start in einen ganz normalen Arbeitstag. Die einen lassen sich vom Radio oder ihrer Lieblingsmusik wecken, die anderen lesen eine Zeitung oder öffnen die Spiegel-App. Die Designer-Espressokanne liefert den Aufwachkaffee, bevor die passenden Kleider im Schrank auftauchen.

In diesen wenigen Minuten ist die Kreativbranche schon mehrfach aufgetreten, denn zur Branche zählen alle, die schöpferisch tätig sind oder Werke von Kreativen verbreiten und davon leben. Das sind z.B. Radiojournalisten, Musikerinnen, Designagenturen Architekturbüros, Werbeagenturen, Filmschaffende, Galeristinnen, Games-Entwickler, Software-Unternehmen oder freie Theater. Was die Branche von anderen unterscheidet, ist ihre Vielfalt und Innovationskraft, aber auch ihre Kleinteiligkeit.

Es sind nicht die großen DAX-Unternehmen, die die Branche prägen, sondern die vielen Selbstständigen, Kleinst- oder Kleinunternehmen. Die Branche gilt daher als krisenbeständig, aber auch als trendaffin und marktagil. Wer klein ist, kann sich schnell bewegen. Und viele kleine Unternehmen können gemeinsam wirtschaftsstark sein. Rund 30.000 Kreativunternehmen erwirtschaften in Baden-Württemberg einen Umsatz von rund 24,4 Milliarden Euro im Jahr und sind damit bedeutender als zum Beispiel die chemische Industrie.

Warum soll ich Teil einer Branche sein?

Die meisten Kultur- und Kreativschaffenden kennen die kulturelle Bedeutung ihrer Arbeit, aber selten die wirtschaftliche. Sie fragen sich: Warum soll ich Teil einer Branche sein? Was haben wir gemeinsam? Die Antworten ergeben sich aus den Unternehmen selbst, genauer ihren Anliegen und Stärken: Sie alle eint die Leidenschaft für die Sache, ganz gleich, ob ihre Kreativität Ausdruck in einem Roman, einer Komposition oder einem Tanz findet.

Während sich Konzerne fragen, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können, erfinden kreative Köpfe innovative Produktideen, experimentieren mit neuen Techniken wie Virtual Reality oder entwickeln Arbeitsmethoden wie SCRUM. Viele arbeiten und kooperieren im interdisziplinären Netzwerk, um gemeinsam sichtbar zu sein, die Kreativität zu fördern oder größere Aufträge zu realisieren. Das Kapital der Kreativen ist ihr geistiges Eigentum, ihre Neugierde und ihr Netzwerk. Der Schutz des Eigentums, die finanzielle Wertschätzung kreativer Arbeit sowie zeitgemäße Formen der Interessenvertretung sind daher ebenso verbindende Gemeinsamkeiten wie die Stärken der Branche.

„Ich bin der Standort“

Ein zweites Vorurteil existiert und beginnt zu bröckeln. 2001 hat Richard Florida mit seinem Buch „The Rise of the Creative Class“ die kreative Szene in Großstädte verortet, die sich durch Technologie, Talente und Toleranz hervortun. Fast 20 Jahre nach dem Erscheinen des Buches entdecken immer mehr Kreative die Vorteile vom Land, kehren zurück in die Kleinstadt oder wählen bewusst die mittelgroße Stadt als Wohn- und Arbeitsort.

Ein bekanntes Beispiel ist Fynn Kliemann, der in Niedersachen mit dem Kliemannsland ein Zuhause für Kreative fernab von Metropolen geschaffen hat und es zugleich medial verbreitet. Im baden-württembergischen Rottweil bauten die Inhaber der Event- und Marketingagentur trend factory ein ehemaliges Kraftwerk zur Eventlocation um, das heute Wirtschafts- und Jobmotor für die Region ist. Auch in Herrenberg eröffnete der erste Coworking Space – als Dependance des Stuttgarter 0711Coworking.

Umgekehrt verhält es sich genauso: Viele Klein- und Mittelstädte entdecken die Kreativbranche. Das zeigt beispielsweise die Gründung des Netzwerks Kreativwirtschaft in Freudenstadt, das inzwischen von Stadt und Kreativszene gleichermaßen getragen und gelebt wird. Dabei beschleunigen zwei Triebfedern den Trend: Zum einen lösen sich Vor- und Nachteile von Standorten durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen zunehmend auf. Ganz nach dem Motto „Ich bin der Standort“ brauchen Kreativschaffende im digitalen Zeitalter keine Metropolen mehr, um sich zu inspirieren, an internationalen Projekten zu arbeiten oder Kunden zu finden. Zum anderen erschweren die hohen Miet- und Immobilienpreise den Kreativen das Wohnen und Arbeiten in Großstädten.

Kreativ in der Region Heilbronn-Franken

Kreativschaffende fernab der Metropolen gibt es auch in der Region Heilbronn-Franken. Am 26. März treffen sich Akteure der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft zum Schulterschluss beim Creative Hug in Schwäbisch Hall. Eingeladen sind Start-ups, erfahrene Routiniers, Selbstständige aus dem Bereich Kultur- und  Kreativwirtschaft. Das kostenfreie Branchenevent wurde von der MFG Baden-Württemberg initiiert und wird in Kooperation mit der Wirtschaftsregion Heilbronn Franken und der Stadt Schwäbisch Hall veranstaltet.

Autorin: Stephanie Hock

Mehr Infos: 

Creative Hug 
Programm Creative Hug Schwäbisch Hall 
Orientierungsberatungen

Kontakt

Stephanie Hock
Stephanie Hock

Referentin Unternehmensentwicklung

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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