Von verrückten Wissenschaftlern und ihren Experimenten

Das 26. Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) bringt vom 30. April bis 05. Mai 2019 Naturwissenschaften und Animation im Sonderprogramm „She Blinded Me With Science – Science, Games & Animation“ zusammen.

Die universelle Sprache der Physik spricht das Multiplattform-Action-Adventure Another World  | Bild: Film- und Medienfestival gGmbH

Animation und Computerspiele können bei der Darstellung und Vermittlung naturwissenschaftlicher Forschung eine Rolle spielen, aber auch selbst zum Instrument wissenschaftlicher Forschung werden. Wie, das zeigt das Sonderprogramm „She Blinded Me with Science – Science, Games & Animation“ des Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart. Das kuratierte Programm lädt zum Spielen in der GameZone im Kunstgebäude ein und bietet ein umfangreiches Filmprogramm.

Ausstellung in der GameZone

Wie wird Wissenschaft in Spielen dargestellt? Der Kurator der Ausstellung in der GameZone, der Medienwissenschaftler Stephan Schwingeler, hat dafür zwölf verschiedene Games aus der ganzen Welt zusammengestellt. Durch einige Spiele zieht sich der Typus des „verrückten Wissenschaftlers“, der sich in der Popkultur etabliert hat als genialer, aber skrupelloser und brandgefährlicher Forscher und sich dadurch gut als Gegenspieler im Computerspiel eignet. In weiteren Spielen ziehen schiefgelaufene naturwissenschaftliche Experimente bedrohliche Konsequenzen für den Spieler nach sich.

Ein weiterer Fokus der kuratierten Spiele liegt auf der sogenannten Citizen Science: Wie können digitale Spiele als Teil von Experimenten zur wissenschaftlichen Erkenntnis beitragen? In „Fold it“ spielt beispielsweise eine Community aus über 100.000 Spielern weltweit ein Puzzlespiel zu Proteinmodellen. Die so gesammelten Daten nutzen Wissenschaftler für ihre Forschung, z.B. bei der Entschlüsselung von HI-Viren.

Echte Pflanzen auf Leinwand zum Wachsen bringen

Zentrales Werk des Sonderprogramms ist auch die Installation „The Interactive Plant Growing“ von Sommerer/Mignonneau des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Im Kuppelsaal des Kunstgebäudes können die Besucher echte Pflanzen auf einer Leinwand zum Wachsen bringen – die Gegenüberstellung von echten Pflanzen und rechengenerierte Natur erinnert an brisante Themen in der Diskussion um den Einsatz von Forschungsergebnissen aus Naturwissenschaft und Technik.

Filmprogramm „She Blinded Me With Science”

Ein weiterer Teil zum Themenschwerpunkt ist das Kurz- und Langfilmprogramm: Die Kuratoren des Programms, André Eckhardt und Dorothea Kaufmann haben in sechs Programmblöcken zahlreiche Kurzfilme zusammengetragen, die verdeutlichen, dass Animation schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts imstande war, physiologische Prozesse, unsichtbare Kräfte und komplexe Zusammenhänge darzustellen.

Der von Arte präsentierte Langfilm „Das Blumenwunder“ von Max Reichmann aus dem Jahr 1926 war ursprünglich als Unterrichtsfilm geplant und machte zum ersten Mal in großem Umfang Pflanzenbewegungen im Film sichtbar. Zum Kulturfilm wurden die Aufnahmen dann durch ihre Kombination mit Tanzszenen, die das Wachstum der Pflanzen pantomimisch darstellen, getanzt vom Tanzensemble und Solisten der Berliner Staatsoper. Damals mit grandiosen Kritiken und großem Erfolg beim Publikum gefeiert, gilt „Das Blumenwunder“ heute als wiederentdeckter Schatz der Stummfilmgeschichte.

Quelle: Film- und Medienfestival gGmbH

Mehr Infos:
ITFS

 

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