Die Fragen des digitalen Wandels

Das Land fördert zwei Forschungsverbünde um die Universität Mannheim und die Hochschule Furtwangen zur Erforschung der „Gesellschaft im digitalen Wandel“

Das Wissenschaftsministerium stellt insgesamt 3,2 Millionen Euro bereit, um den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft weiter zu erforschen. | Bild: Unsplash

Die Digitalisierung verändert unser Leben: wie wir lernen, uns informieren und kommunizieren, wie wir arbeiten, Wissen schaffen und einsetzen. Auf diesen Veränderungen gründen gleichzeitig vielfältige Hoffnungen und Erwartungen wie auch Sorgen und Befürchtungen. Das Land fördert daher zwei Forschungsverbünde, die den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft untersuchen. Hierfür stellt das Wissenschaftsministerium im Rahmen der Digitalisierungsstrategie digital@bw insgesamt 3,2 Millionen Euro bereit. Gefördert wird eine Arbeitsgemeinschaft um die Universität Mannheim und ein Konsortium um die Hochschule Furtwangen.

„Die ethischen und sozialen Fragen des digitalen Wandels sind zentral für unsere Gesellschaft. Denn die Digitalisierung ist weit mehr als ein Technikthema. Hierbei Chancen und Risiken aufzudecken, Orientierungswissen und Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ist von enormer Bedeutung – auch in der Frage der Akzeptanz digitaler Technologien“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Donnerstag am Montag, den 9. Mai, in Stuttgart. Die Wissenschaft könne dafür Handlungsspielräume sachlich offenlegen und erörtern. „Wir müssen gemeinsam definieren, was wir uns unter einem guten Leben als digitale Gesellschaft vorstellen. Die zwei geförderten Verbünde bringen hierfür ihre Expertise und neue Perspektiven ein“, so Bauer weiter.

Digitalisierung zum Wohle der Menschen gestalten

Ziel der Arbeitsgemeinschaft „digilog@bw“ um die Universität Mannheim ist es, den Einfluss der Digitalisierung auf den Menschen und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen zu identifizieren und interdisziplinär zu analysieren, um so die Grundlagen dafür zu schaffen, den digitalen Wandel technisch und politisch positiv zum Wohl des Menschen zu gestalten.

Dazu forschen insgesamt acht universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen zu drei zentralen Themen der Digitalisierung Autonomie, Wissen und Partizipation. Ihr Verständnis ist wichtig für eine aktive positive Gestaltung des digitalen Wandels. Technische und politische Gestaltung der Digitalisierung müssen bei ihnen ansetzen, wenn der Wandel zum Wohle des Menschen gelingen soll. Die Themen werden dabei interdisziplinär und standortübergreifend bearbeitet. Dafür bündelt der Forschungsverbund baden-württembergische Expertise aus universitärer und außeruniversitärer Forschung der Geistes-, Sozial-, Rechts-, Wirtschafts-, Medien- und Kommunikationswissenschaften, der Ethik und der Informatik sowie der interdisziplinären Technikbewertung auf höchstem wissenschaftlichem Niveau.

„Mit dem Verbund um die Universität Mannheim schließen sich exzellente Forschungsinstitutionen in Baden-Württemberg zusammen, um wissenschaftlich fundiertes Orientierungswissen für uns alle zu genieren. Der Verbund zeichnet sich durch ein sehr breites Spektrum an beteiligten Fachdisziplinen aus – genauso, wie auch die Digitalisierung viele Bereiche unseres Lebens verändert“, betonte die Ministerin. Der Verbund wird mit rund 2,2 Millionen Euro gefördert.

An „digilog@bw − Digitalisierung im Dialog“ sind die Universtiät Mannheim, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen, das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, das Leibniz Institut für Deutsche Sprache (IDS) sowie für Wissensmedien (IWM), das ZEW - Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) beteiligt, welches im Zuge des Projekts durch Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen und Vortragsreihen einen vielschichtigen Dialog mit der Öffentlichkeit initiiert. Weitere Kooperationspartner, aber nicht an Förderung partizipierend, ist das FIZ - Forschungszentrum für Informatik am KIT.

Denklabor Digitaler Wandel

Insgesamt drei Hochschulen und weitere Praxispartner schließen sich im Verbund „Digitaldialog 21“ um die Hochschule Furtwangen als praxisorientiertes Denklabor zusammen. Ziel des Projekts ist es, zu einer Bewertung aktueller und zukünftiger Technologien des digitalen Wandels beizutragen. Die Einordnung des digitalen Wandels erfolgt dabei sowohl unter der Perspektive des technisch Machbaren (Informatik) als auch in der Perspektive der (angewandten) Ethik, der Werteforschung, des kritischen Verbraucherschutzes sowie einer überfachlichen Perspektive, die den schleichenden Wandel und die Verschiebung von Normalitätsvorstellungen in den Blick nimmt.

Die Grundlage des „Digitaldialogs 21“ besteht in der Verbindung von empirischen, theoretischen, experimentellen sowie öffentlichen Perspektiven. Das Ergebnis wird eine empirisch informierte und ethisch reflektierte Systematik des digitalen Wandels sein, die als Grundlage für einen öffentlichen Diskurs und politische Handlungsempfehlungen nutzbar gemacht werden kann. Ein wesentliches Ziel ist es, anwendungsbezogene medienethische Konzepte, Tools und Maßnahmen für die Förderung von Digitalkompetenz zu entwickeln und bereitzustellen. Insbesondere die Verzahnung mit den in Baden-Württemberg relevanten Akteur*innen im Bereich der Medienpädagogik, Medienangebote, Datenschutz und Wertebildung kann garantieren, dass nutzergerechte und attraktive Tools und Maßnahmen entstehen und die Konsortialpartner bei der aktiven Mitgestaltung und Umsetzung des Orientierungswissens beteiligt sind. Aufgrund von deren Multiplikatoren-Funktion wird damit auch gewährleistet, dass die entwickelten Tools und Maßnahmen eine entsprechende Verbreitung finden.

„Das Konsortium um die Hochschule Furtwangen ist geprägt durch Dialogformate mit den Bürgerinnen und Bürgern – damit gelingt eine enge Verschränkung von Wissenschaft und Praxis. Somit kann sich der Verbund aktiv in den öffentlichen Diskurs einbringen und zu einer erhöhten Digitalkompetenz beitragen“, sagte Ministerin Bauer. Der Verbund wird mit rund 1,1 Millionen Euro gefördert.

An „Digitaldialogs 21“ ist die Hochschule Furtwangen, die Hochschule der Medien Stuttgart und die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg beteiligt. Weitere Kooperationspartner, die aber nicht der Förderung partizipieren, sind der Südwestrundfunk Stuttgart, die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), die Bischöfliche Medienstiftung und die Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest und der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg.

Quelle: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Mehr Infos:
digital@bw Digitalisierungsstrategie
Land fördert zwei Vorhaben zur Erforschung der „Gesellschaft im digitalen Wandel“
Digitalisierungsstrategie der Landesregierung Baden-Württemberg

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