Preise für Speisekarten und Jesuiten

Der Kulturhackathon Coding da Vinci vernetzt seit 2014 die Kultur- und Technikwelt und zeigt, welche überraschenden Möglichkeiten in offenen Kulturdaten stecken

Die Gewinnerteams von Coding da Vinci Süd 2019  | Bild: CC-BY 4.0 Coding da Vinci Süd

Mit einer großen Preisverleihung in der Tafelhalle in Nürnberg ging der Kulturhackathon Coding da Vinci Süd 2019 am 18. Mai zu Ende. Insgesamt 18 Projekte waren am Ende der Sprintphase in das Rennen um die Preise in fünf Kategorien gegangen. Das technisch-kreative Level aller präsentierten Projekte war hoch und unterstrich damit die Qualität des Datenmaterials, das 30 Kulturinstitutionen zur Verfügung gestellt hatten.

Die Apps, Webseiten und Spiele bestachen mit witzigen und anspruchsvollen Ansätzen, für deren Entwicklung sich die Hacker*innen mit Sicherheit einige Nächte um die Ohren geschlagen haben. Auch das Stichwort Nachnutzbarkeit der Daten spielte bei den Anwendungen eine wichtige Rolle.

Der Kulturhackathon Coding da Vinci vernetzt seit 2014 die Kultur- und Technikwelt und zeigt, welche überraschenden Möglichkeiten in offenen Kulturdaten stecken. In den vergangenen Wochen erstellten Teams aus Hacker*innen im Süden Deutschlands gemeinsam mit Kulturinstitutionen funktionierende Prototypen, die offenbaren, wie Sammlungsobjekte auf neue Weisen vermittelt und genutzt werden können. Die MFG Baden-Württemberg unterstützte Coding da Vinci Süd als Partner und verknüpfte die Initiative mit Kultureinrichtungen aus Baden-Württemberg.

Digitale Schätze heben

Marie-Kristin Meier von der Kulturstiftung des Bundes nutzte in ihrem Grußwort bei der Preisverleihung die Gelegenheit, um darauf aufmerksam zu machen, dass das Digitale in den Kultureinrichtungen zu einer Daueraufgabe avanciert. Diese Aufgabe umfasse jedoch mehr als das reine Digitalisieren von Sammlungsbeständen. Kultureinrichtungen könnten durch digitale Formate und freie Lizenzierung neue Zugänge ermöglichen und damit einen Beitrag zum digitalen Gemeingut leisten.

Die Auszeichnung „funniest hack“ und der Publikumspreis „Everybody`s Darling“, der von der MFG Baden-Württemberg gestellt wurde, gingen an „162 Ways To Die“. Das Doppelgewinnerteam hatte als Datengrundlage 162 Bilder von Jesuitentafeln aus dem Stadtmuseum Landsberg am Lech.  Das Team hatte mit den Tafeln, die das Ableben der einzelnen Jesuiten darstellen, und mit seinem trockenen Humor bereits während der Präsentationen die Lacher auf seiner Seite.

Daten aus BW in ausgezeichneten Projekten

Die „best design“-Gewinnerin „COVER.BOUTIQUE“ sowie „Linked Stage Graph“, ausgezeichnet als „most useful hack“, nutzen Daten aus baden-württembergischen Kultur- und Gedächtnisinstitutionen. Der Preis in der Kategorie „most technical“ ging an das Team von der „Schmankerl Time Machine“. Die Anwendung hält auf einer Webseite digitalisierte historische Speisekarten bereit und ermöglicht eine fiktive Lieferung der Speisen auf Bestellung. Die Speisen können per Verlinkung zu den Rezepten aber auch nachgekocht werden.

Euphorisch waren dann auch die Dankesworte der beiden Hauptakteurinnen der Organisation vor Ort, Sybille Greisinger und Dr. Kathrin Zimmer, an die Datengeber*innen, Teilnehmenden, Mitorganisator*innen und die zahlreichen Partner.

Im Vordergrund der Abschlussveranstaltung und Preisverleihung stand der kreative, zwischenmenschliche Austausch, aus dem die vielfältigen Projekte hervorgingen. Für die datengebenden Kulturinstitutionen war vor allem das Aufeinandertreffen mit den Hacker*innen spannend und ermöglichte ihnen neue Sichtweisen auf die eigenen Themen.

Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon wird gefördert im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes als gemeinsames Projekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, des Forschungs- und Kompetenzzentrums Digitalisierung Berlin (digiS), der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland.

Mit offenen Kulturdaten befasst sich auch das Projekt Open Culture BW meets VR, das die MFG Baden-Württemberg mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst durchführt. Kultur- und Gedächtniseinrichtungen im Südwesten werden unterstützt, ihre digitalisierten Kulturschätze mithilfe innovativer Technologien zu nutzen. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung von Prototypen im Bereich VR/AR/Mixed Realities.

Quelle: MFG Baden-Württemberg / Annekatrin Baumann

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