Flipchart, Pinnwand und Hosenträger

Souverän moderieren: Simone Richter, Kommunikationstrainerin und Referentin bei der MFG Akademie, gibt Tipps rund um die erfolgreiche Moderation von Gruppen und Teams

Seminar mit Pinnwand und Gruppentischen
Passende Moderationstechniken sind das Handwerkszeug guter Moderator*innen | Bild: MFG Baden-Württemberg / Matthiessen

Im Alltag kennen wir Moderator*innen vor allem aus dem Fernsehen oder Radio, wo sie die Gespräche zwischen verschiedenen Teilnehmenden leiten und lenken. Auch in der Geschäftswelt sind sie mittlerweile keine besonders exotische Spezies mehr, sondern wichtiger Bestandteil zielorientierter Vorgehensweisen, effizienter Besprechungen oder Kommunikationsverantwortliche bei Großveranstaltungen und Podiumsdiskussionen. Die Moderation ist inzwischen etablierter Garant, um effizient mit Gruppen zu arbeiten und schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Konkret haben Moderator*innen immer dann eine wichtige Rolle, wenn es um die gemeinsame Arbeit in Gruppen geht. Sie haben eine unterstützende Funktion in Seminaren und Konferenzen, Kongressen und Tagungen, bei Meetings und im Projektmanagement, bei Besprechungen genau wie bei Projektgruppensitzungen, manchmal sogar bei Krisen- und Konfliktgesprächen. Das gilt auch – und vor allem – für die Kreativwirtschaft. Kreativschaffende, kreative Dienstleister*innen und Selbstständige müssen sich mitunter mit recht unterschiedlichen Kund*innen auseinandersetzen, arbeiten oft genug zwischen den Branchen, haben daher nicht nur eine beratende oder ausführende, sondern eben auch mal eine moderierende Rolle.

Ressourcen nutzen, Wege aufzeigen

Moderator*innen sorgen dafür, dass die Ressourcen der Teilnehmenden bestmöglich zum Einsatz kommen. Sie stellen die Aktionsfähigkeit der Gruppe her, stecken den Handlungsrahmen ab, zeigen Gestaltungswege auf. Ob in Teams oder bei Veranstaltungen: Mit den richtigen Arbeits- und Darstellungstechniken und mit methodischer Hilfe gelingen der Austausch und die Entscheidungsfindung. 

Gute Moderator*innen schaffen es, Einzelne in der Gruppe herauszufordern und ihre Kompetenzen zur Geltung zu bringen, den „roten Faden“ zu behalten, Raum zur Reflexion zu geben und dabei auch noch das Zeitmanagement zu beachten. So werden am Ende Aufgaben gemeinsam und transparent gelöst, die Interessen der einzelnen kommen nicht zu kurz. Bis dahin ist es aber oft genug ein langer Weg und manchmal auch harte Arbeit.

Der Einsatz der passenden Methoden unterstützt eine gelungene Moderation:

  • Blitzlicht: Jede*r Teilnehmende hat kurz Zeit, um sich zu äußern.
  • 1-Punkt-Abfrage: Die Meinungen der Teilnehmenden zu einem genau spezifizierten Thema werden abgefragt.
  • Kartenabfrage: Meinungen und Vorschläge werden auf Karten schriftlich gesammelt und anschließend an der Pinnwand dokumentiert.
  • Zuruftechnik: Die Meinungen der Teilnehmenden werden zugerufen und notiert, zum Beispiel am Flipchart.
  • Themenspeicher: Wichtige Themen aus der Gruppe werden festhalten. Diese Methode eignet sich vor allem dann, wenn Themen auftauchen, die mit dem aktuell zu bearbeitendem Thema nichts zu tun haben, aber nicht in Vergessenheit geraten sollen.
Souverän die Mitte finden

Woher kommt eigentlich der Begriff Moderation? In seiner ursprünglichen Bedeutung aus dem Lateinischen bezeichnet er „die Mitte finden“, „Mäßigung“ und „Maß halten“ und ist schon seit dem Altertum bekannt. Entstanden ist die heute bekannteste Moderationsmethode in den 1970er-Jahren und ist stark mit dem Namen einer Unternehmensberatung (Quickborner Team) verbunden. Diese Moderationsmethode wird teilweise auch Metaplanmethode oder Neulandmethode genannt. Hintergrund für deren Entwicklung war die Idee, Gruppen aktiv an Problemlösungen, Ideenfindungen und Entscheidungen zu beteiligen.

Praktische Tipps, um souverän zu moderieren:

  • Bereite dich gut vor!    
  • Beginne positiv und schaffe ein angenehmes Arbeitsklima
  • Lege das Ziel fest, arbeite mit System und Struktur und visualisiere für alle sichtbar mit               
  • Sei und bleibe neutral, vermeide Wertungen und Interpretationen                    
  • Führe durch Fragen und bleibe beim Thema
  • Motiviere, beispielsweise durch Lob und positive Verstärkung, wertschätze alle Beteiligten und ihre Beiträge
  • Achte auf konkrete Vereinbarungen und schließe positiv ab
  • Bereite das Meeting nach

Tabus, die Moderator*innen beachten sollten:

  • Tabu 1: Problemlöser*innen sein
  • Tabu 2: Als Entscheidende auftreten
  • Tabu 3: Diskussionsbeiträge bewerten
  • Tabu 4: Die Allwissenden spielen
  • Tabu 5: Die Gruppe methodische Entscheidungen treffen lassen

„Ein guter Moderator ist wie ein Hosenträger: Erst wenn er ausfällt, merkt man, dass es ihn gibt.“ Dieses Zitat des italienischen Komikers und Schauspielers Roberto Benigni bringt es auf den Punkt. Der Moderator bietet Hilfen methodischer Art zur Problemlösung oder auch Themenregelung an, ohne dabei inhaltlich Stellung zu beziehen oder Partei zu ergreifen. Er kann wesentlich dazu beitragen, dass Themen offen gelegt, Prozesse durchdacht, Maßnahmen konkret aufgestellt, Aufgaben verteilt werden.

Insgesamt ist diese Methode heute in modernen Organisationen und aus dem Businesskontext nicht mehr wegzudenken, um Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und zu neuen Ideen zu gelangen. Hinter der Moderationsmethode verbergen sich eine Fülle von Techniken und Tools, die richtig eingesetzt werden wollen, um der Gruppe nicht zu schaden Die fundierte Ausbildung der Moderatoren und vor allem viel Erfahrung bildet deshalb eine wichtige Grundlage für den Erfolg.

Autorin: Simone Richter, Titania Kommunikation

Simone Richter
Simone Richter ist Kommunikationstrainerin, Journalistin und Publizistin in Stuttgart. Sie arbeitet freiberuflich im Bereich Text, Konzept und Strategieberatung und bietet auch in der MFG Akademie immer wieder Workshops zu Kommunikationsthemen an, als nächstes im ersten Halbjahr 2020 ein Rhetorik-Seminar. | Bild: privat


Quellen:

Graeßner, Gernot: Moderation – Das Lehrbuch. Gruppensteuerung und Prozessbegleitung. Ziel Verlag. 
Günster-Schöning, Ursula: Fragen für eine gelungene Moderation
Krawiec, Ingo: Was ist Moderation?
Seifert, Josef W.: Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. Gabal Verlag.
Stangl, Werner: Die Moderation – Was ist das? Werner Stangls Arbeitsblätter.

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