Land in Sicht!

Was kann und braucht die Kultur- und Kreativwirtschaft fern von urbanen Zentren? Darüber sprechen Kreative aus dem Nordschwarzwald, die am 21. November beim Creative Hug in Freudenstadt dabei sind

Ein Fernglas im Schwarzwald
Herausforderung Sichtbarkeit: Gesehen zu werden ist für die Kreativen in ländlichen Regionen ein wichtiges Thema | Bild: Pixabay

Landflucht, Stadtflucht – was passiert eigentlich gerade? Lange zogen die urbanen Zentren die Menschen weg aus Dörfern und kleineren Städten, gerade die Jungen und gerade die Kreativen. Nicht zuletzt deshalb, weil die verhältnismäßig neue, erst in den letzten Jahrzehnten definierte Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft zunächst in den Städten und Metropolen verortet wurde. Hier haben die meisten Hochschulen ihren Sitz, hier ballen sich Start-ups und potenzielle Partner, hier lebt die kreative Subkultur.

Inzwischen entdecken allerdings immer mehr Kreative die Vorteile vom Land, kehren zurück in die Kleinstadt oder wählen bewusst die mittelgroße Stadt als Wohn- und Arbeitsort. Umgekehrt verhält es sich genauso: Viele kleine und mittelgroße Städte entdecken die Kreativbranche. Das zeigt beispielsweise die Gründung des Netzwerk Kreativwirtschaft Freudenstadt, das inzwischen von Stadt und Kreativszene gleichermaßen getragen und gelebt wird.

Unabhängigkeit durch Digitalisierung

Diesen Trend verstärken zwei gesellschaftliche Entwicklungen: Zum einen lösen sich Vor- und Nachteile von Standorten durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen zunehmend auf. Im digitalen Zeitalter brauchen Kreativschaffende keine Metropolen mehr, um sich zu inspirieren, an internationalen Projekten zu arbeiten oder neue Kund*innen zu finden. Zum anderen erschweren die hohen Miet- und Immobilienpreise den Kreativen das Wohnen und Arbeiten in Großstädten.

Baden-Württemberg ist ein Flächenland mit acht Großstädten; unter 1.100 Gemeinden sind knapp 100 Große Kreisstädte sowie über 300 weitere Städte. Hier hat sich die Wirtschaft schon immer über das Land verteilt: So mancher Hidden Champions versteckt sich im tiefsten Schwarzwald, im Breisgau oder in der Hohenlohe sitzen international erfolgreiche Mittelstandsunternehmen. Im deutschen Südwesten mögen es die Kreativen leichter haben als in zentralistisch geprägten Regionen, aber ganz ohne Hürden ist der Weg in den ländlichen Raum selten.

Gefragt: Netzwerke und Plattformen

„Inspiration und Herausforderung zugleich“ ist Freudenstadt als Kreativstandort für die Designerin Gudrun Neuchel. „Anfangs war es nicht einfach, als Gestalterin in Freudenstadt Fuß zu fassen“ berichtet die Inhaberin einer Taschenmanufaktur. „Mittlerweile ist es leichter geworden, es gibt Netzwerke und Plattformen, wo man sich Unterstützung holen kann.“

Was brauchen Kreative jenseits der Metropolen? Auf jeden Fall Sichtbarkeit. Und was noch? Für die Region Nordschwarzwald diskutieren das am 21. November Kreative und Förderer beim Creative Hug Freudenstadt. Die MFG Baden-Württemberg veranstaltet das Branchenevent gemeinsam mit dem Netzwerk Kreativwirtschaft Freudenstadt, der Wirtschaftsförderung Region Nordschwarzwald und der Stadt Freudenstadt.

Gudrun Neuchel freut sich auf den Creative Hug: „Die Veranstaltung bringt unserem Standort sicher mehr Aufmerksamkeit und neue Impulse“. Mehr erzählt sie im Video – und am 21. November auf der Bühne.

Vor- und Nachteil in einem: die Weitläufigkeit

„Ich habe mich vor fünf Jahren selbstständig gemacht und habe festgestellt, dass für Kreative im ländlichen Raum die Weitläufigkeit ein Problem ist“, sagt die Kulturmanagerin Tina Eberhardt, die das Netzwerk Kreativwirtschaft Freudenstadt initiiert hat.

„Die Region Nordschwarzwald ist eine interessante Gegend für Kreativschaffende, weil wir hier Platz haben. Man braucht kein Vermögen, um sich ein Arbeitsfeld anzumieten und der Übergang zu Natur und Erholungsbereich ist fließend, was gut ist für den Kreativprozess.“ Mehr verrät sie im Video. Auch Tina Eberhardt ist am 21. November dabei, als Teilnehmerin der Podiumsdiskussion.

Unter dem Motto „Auf zum Schulterschluss“ bringt die MFG mit der Veranstaltungsreihe Creative Hug die Kreativschaffenden in den Regionen Baden-Württembergs zusammen. Los ging es im Herbst 2017 mit dem Creative Hug Villingen-Schwenningen, seitdem war die MFG in Offenburg, Friedrichshafen und Schwäbisch Hall zu Gast. Als nächstes ist ein Stopp in Bruchsal geplant.

Autorin: Ines Goldberg

Mehr Infos:

Creative Hug 
Anmeldung Freudenstadt 
Programm Freudenstadt

Kontakt

Stephanie Hock
Stephanie Hock

Referentin Unternehmensentwicklung

Unit Kultur- und Kreativwirtschaft

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