Blogger: Eine neue Spezies von Kultur-Korrespondenten

Instagram, Facebook, Twitter und Blogs werden für die Kommunikation von Museen immer wichtiger

An einem Samstag im Sommer 2017 streifen zeitgleich 35 Bloggerinnen und Blogger durch elf Museen in Karlsruhe und Stuttgart. Es ist ein Blind-Date der besonderen Art. Denn bevor es am Morgen losging, wusste keiner von ihnen, in welche Häuser sie ihr Weg führen würde.

Die Einladung zur Expedition ins Ungewisse kam von der Museumsbande, einer schwäbisch-badischen Initiative, in der sieben Stuttgarter und vier Karlsruher Museen zusammenarbeiten. Ihr gemeinsames Ziel: Leute, die in sozialen Netzwerken und im Internet unterwegs sind, für Kunst und Kultur begeistern. Zum Blind-Date hat die Museumsbande Stuttgarter Blogger nach Karlsruhe entführt und Karlsruher in die Landeshauptstadt, um ihnen Stoff für ihre Blogs, Tweets und Posts zu liefern.

Landeshauptstadt, um ihnen Stoff für ihre Blogs, Tweets und Posts zu liefern.

Otto-Hörbrand vom Linden-Museum hat die Museumsbande mit ins Leben gerufen (Bild: Linden-Museum)

Museumsbande als Trending Topic

Das Konzept ging auf. „Wenn ihr im @badischeslandesmuseum in Karlsruhe seid, dann solltet ihr unbedingt auf den Schlossturm steigen!“, empfahl etwa @salvia_von_liebstoeckelschuh ihren Followern auf Instagram. „Ein Besuch, eine Zeitreise, die ich unbedingt empfehlen kann“, schrieb @romy_inkaüber ihr Blind-Date beim Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. „Leute, geht bei Gelegenheit das wunderbare Linden-Museum besuchen“, twitterten die Karlsruher Künstlerinnen @ANAundANDA aus dem Museum für Völkerkunde. Alle Bild- und Text-Posts waren mit den Hashtags #museumsbande und #blinddateSKA versehen, so dass die Fans auf allen Kanälen live folgen konnten.

„Mit unserem Hashtag #museumsbande waren wir einen halben Tag lang Trending Topic in Deutschland“, freut sich Martin Otto-Hörbrand vom Linden-Museum Stuttgart, der zu den Initiatoren der Museumsbande gehört. Die erste gemeinsame Aktion der Gruppe war das Museums-Domino „DominoDo“. Bei dem bis heute erfolgreich laufenden Format gibt ein Museum Infos und Fotos zu einem Objekt vor und das nächste fügt ein passendes Exponat an, zu dem es einen überraschenden Bezug gibt. „Durch die Querverweise gelangen die Fans und Follower eines Museums auch auf die Seiten von anderen Häusern, die sie vielleicht noch nie besucht haben“, sagt Otto-Hörbrand. Der zweite große Coup der Bande war das Blind-Date. Im August lief dann ein Fotowettbewerb, bei dem sich Besucher im Museum als „Museumsbande“ in Szene setzten und Bilder davon auf Facebook, Twitter oder Instagram posteten.

Anregende Vielseitigkeit der Perspektiven 

„Bereichernd an diesen Social-Media-Aktionen ist, dass die Betrachter aus sehr verschiedenen, oft auch aus überraschenden Perspektiven auf Museen und Ausstellungen schauen, und so selbst Insider Neues entdecken können“, findet Otto-Hörbrand. Zum Blind-Date hat die Museumsbande daher nicht nur Kulturblogger eingeladen, sondern auch Leute, die in der Reise-, Mode- und Lifestyle-Szene unterwegs sind. „So öffnen wir uns stärker für neue Zielgruppen und es entsteht eine anregende Vielstimmigkeit in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken und Exponaten“, so Otto-Hörbrand.

Aber wie nimmt man als Museum Kontakt zu der neuen Spezies von Berichterstattern auf? „Das ist gar nicht so kompliziert“, so die Erfahrung von Otto-Hörbrand. Wenn man selbst auf Social-Media-Kanälen aktiv sei, bekäme man sehr schnell mit, wer sich für welche Themen interessiere und dazu poste.

Beliebte Formate, die einen Stein ins Rollen bringen können, sind etwa Blogparaden, für die man Blog-Beiträge zu einem bestimmten Thema anregt, Tweetups, Instameets oder Instawalks, bei denen Social-Media-Akteure live von einem eigens initiierten Event oder Rundgang posten oder Fotowettbewerbe wie Instacontests.

Wertschätzung und persönliche Ansprache

Museen, die Blogger-Relations aufbauen wollen, empfiehlt Katrin Schröder, sich Beispiele für solche Formate anzuschauen. Außerdem sei es sinnvoll Akteure zu identifizieren, die thematisch Passendes veröffentlichen und Erfahrungen mit Kollegen aus anderen Häusern auszutauschen. In ihrer Zeit als Marketingchefin am Theater Heilbronn hat sie erfolgreich ein Blog und die Social-Media-Kommunikation aufgebaut. Heute ist sie am Archäologischen Museum Hamburg für Online-Kommunikation und digitales Marketing verantwortlich, stellt ihre Erfahrungen aber als „Kulturgroupie“ und Beraterin auch anderen Institutionen zur Verfügung.

Schröders Tipp zur Kontaktaufnahme: Es ist gut, die Blogger nicht mit einer Rundmail, sondern persönlich einzuladen. Wichtig ist auch, sich vorher mit ihren Posts auseinanderzusetzen und zu vermitteln, warum man ihre Beiträge relevant findet. „Das ist eine Frage der gegenseitigen Wertschätzung“, sagt Schröder. Wenn die Blogger einen weiten Anfahrtsweg haben, empfiehlt Schröder eine Erstattung der Reisekosten anzubieten, denn Geld verdienen die meisten mir ihren Posts nicht.

Romy Inka zum Beispiel, die regelmäßig Fotos von Architektur, Museums- und Ausstellungsbesuchen auf Instagram postet, tut dies vor allem aus persönlicher Leidenschaft. „Eigentlich hat mein Mann damit angefangen, Fotos von mir während Ausstellungsbesuchen oder Reisen zu machen, die ich dann inhaltlich mit Informationen über die betrachteten Gebäude und Kunstwerke verknüpft habe. Hintergrund war, dass Freunde in meiner Heimat Peru immer wieder gefragt haben: Wie ist es denn da, wo Du jetzt lebst?“, erzählt Romy. Inzwischen will sie auch andere inspirieren, ihre Begeisterung für Museen und Ausstellungen weitergeben.

Was ihr am Blind-Date besonders gefallen hat: „Es war spannend, hinter die Kulissen zu schauen, auf Details aufmerksam zu werden, die man leicht übersehen kann und es war toll, die Menschen hinter den Ausstellungen und den verschiedenen Blogs persönlich kennenzulernen.“

Exklusive Einblicke, Raum für Gespräche und lebendiger Dialog

Wie Romy freuen sich auch andere Social-Media-Akteure, wenn sie exklusive Einblicke erhalten. Ansonsten unterscheidet sich der Umgang mit Bloggern gar nicht so sehr von dem mit Vertretern anderer Medien. „Die Gastgeber können zum Beispiel Hintergrundinfos und Bilder anbieten, vielleicht noch ein kleines Gimmick zur Erinnerung mitgeben. Es ist wichtig, Zeit und Raum für persönliche Begegnung und Networking einzuplanen und eine nette Geste, wenn ein paar Snacks und Getränke bereitstehen“, sagt Katrin Schröder. 

Für eine nachhaltige Wirkung sei es außerdem nötig, dass man Posts und Blogbeiträge nicht ins Leere laufen lasse. „Es gilt, auf die Beiträge einzugehen, sie zu kommentieren oder zu reposten, alle Beiträge zu sammeln und am Schluss zusammenzufassen, was alles gelaufen ist“, sagt Schröder.

Natürlich ist all das mit einem gewissen personellen Aufwand verbunden. Aber allen, die sich in dem Feld engagieren wollen, macht Schröder Mut: „Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Blogger, Instagrammer & Co sind interessiert und begeisterungsfähig, sie engagieren sich aus Leidenschaft. Museen können sich ruhig trauen, auf die Szene zuzugehen. Sie müssen bloß bereit sein, sich auch auf die Akteure und ihre Anliegen einzulassen.“

Mini-Interviews mit Bloggern

In sechs Mini-Interviews stellen wir Bloggerinnen und Blogger aus Baden-Württemberg vor, die verraten, was sie an der Kulturszene spannend finden und was sie sich von Museen und Ausstellungen wünschen.

Romy (Romy Inka), Karlsruhe
Channel: https://www.instagram.com/romy_inka/

Pierre & Johannes, Stuttgart
Channels: http://schoenhaesslich.de, https://twitter.com/schoenhaesslich, www.facebook.com/schoenhaesslich, www.instagram.com/schoenhaesslich.de

Veronika Merz (Julie en Rose), Karlsruhe
Channels: http://julieenrose.de/, www.instagram.com/julie.en.rose/, www.facebook.com/julie.en.rose.blog, https://twitter.com/MerzVeronika, Snapchat @nikajulia

Andrea Welz, Stuttgart
Channels: http://kunstundreisen.com, https://twitter.com/kunstundreisen, www.instagram.com/kunstundreisen, www.pinterest.de/kunstundreisen/, www.facebook.com/kunstundreisencom

MFG Mini-Interview

Martin Elbert, Stuttgart
Channel: www.kessel.tv

Miriam Steinbach (Mademoiselle Miriam), Karlsruhe
Channels: https://dieschreibmaschine.net, www.instagram.com/mademoiselle_miriam/, https://twitter.com/dieschreib

Ansprechpartner
Heike Kramer
Heike Kramer

Projektleiterin Digitale Kultur

Unit Medienprojekte und Services

Bitte weitersagen. Teilen Sie diesen Beitrag.