Gaming@Museum zeigt Potenziale für Kooperationen zwischen Kultur und Gamesbranche

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, wie Games und Co-Creation neue Zugänge zur Kulturvermittlung schaffen.

Sechs Personen sitzen auf einem Podium und diskutieren.
| Stuttgart

Wie können Museen zu offeneren, ko-kreativen Räumen werden – und welche Rolle spielen Games dabei? Diese Leitfrage prägte die Podiumsdiskussion „Gaming@Museum – neue Spielräume für Co-Creation?“ im Rahmen des MFG Programms Level Up!. Expert*innen aus Museum, Wissenschaft, Kulturpolitik, Medienpädagogik und der Gamesbranche zeigten diesen November im Literaturhaus Stuttgart: Spielmechaniken und Co-Creation bieten für Museen enorme Chancen, verlangen aber auch neue Formen der Zusammenarbeit. 

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung stellen wir auf Youtube zur Verfügung. Im Folgenden haben wir zudem Erkenntnisse aus der Diskussion zusammengefasst.

Zielgruppen früh einbinden

Die Runde war sich einig: Wer Games für Museen entwickelt, muss Zielgruppen früh beteiligen. Prototypen helfen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Inhalte konsequent zu testen. „Testen, testen, testen“ wurde zum inoffiziellen Mantra des Abends.

Kulturpolitik sieht Chancen

Staatssekretär Arne Braun, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, betonte, dass Baden-Württemberg im Bereich Games stark aufgestellt ist. Die Verbindung von Museumsarbeit und Games sei ein zukunftsweisender Weg, um Innovationen voranzubringen und neue Formen der Kulturvermittlung zu etablieren.

Gamesbranche: Spielerische Zugänge im Fokus

Jonas Kirchner, Geschäftsführer Pixelcloud, beschrieb den Wandel: Statt reiner Wissensvermittlung stehen heute spielerische Zugänge im Vordergrund. Zahlreiche Projekte mit Kulturinstitutionen zeigten, wie fruchtbar solche Kooperationen sein können, auch wenn sie Herausforderungen mit sich bringen – etwa das richtige Maß an Wissensgehalt oder die oft kurze Spieldauer innerhalb eines Museumsbesuchs.

Hochschule: Ziele klären – gemeinsam planen

Kevin Körner, Dozent für Digital Humanities an der Universität Tübingen, hob hervor, wie wichtig gemeinsame Vorgespräche sind. Zielgruppen, Lernziele und Erwartungen müssen klar definiert sein, damit passende Spielmechaniken entstehen, die Lerninhalte nicht nur transportieren, sondern auch Spaß machen. Spiele dienen als Motivator: Sie holen Besucher*innen ins Museum – und führen sie dann zur Ausstellung.

Museum: Offenheit für neue Prozesse

Laura Schuppli, Kuratorin Digitales im Stadtmuseum Aarau & Co-Founder Spielekultur GmbH, verdeutlichte, dass erfolgreiche Kooperationen nur gelingen, wenn beide Seiten offen und kompromissbereit sind. Fachwissen aus Museum und Gamesbranche ergänze sich – und genau darin liege die Stärke solcher Projekte.

Medienpädagogik: Gamification als Türöffner

Wissensvermittlung und spielerisches Lernen gehören zusammen, betonte Dejan Simonović, Medienpädagogischer Referent ComputerSpielSchule Stuttgart. Nicht immer brauche es ein vollwertiges Game – auch Gamification-Ansätze, etwa narrative Rundgänge oder Entscheidungsstrukturen, können Besucher*innen aktivieren. Wichtig sei außerdem die Vermarktung neuer Formate, ein Aspekt, der häufig unterschätzt werde.

Impulsprojekte als Brückenbauer

Zwischen Hochschulen, Kulturinstitutionen und Entwicklern brauche es Räume des gemeinsamen Experimentierens, so die Runde – etwa durch Programme wie Level Up! oder Coding da Vinci. Solche Impulsprojekte führten die Akteur*innen zusammen, machten Technologien sichtbar und ermöglichten frühes Testen.

Fazit: Mut, Austausch und Interaktion

Zum Abschluss formulierten die Vertreter*innen aus jeder Disziplin ihre zentralen Wünsche und Erkenntnisse:

  • Museen: Mehr Austausch untereinander – über Wissen, Technik und Erfahrungen (technische) Kompetenzen in Museen stärken
  • Kulturpolitik: Besucher*innen überraschen, abholen und mitnehmen.
  • Hochschule: Museen als interaktive Begegnungsorte stärken, die Austausch ermöglichen und gesellschaftliche Gruppen verbinden.
  • Gamesbranche: Mehr Mut zu Experimenten – die Verbindung von Wissenschaft und Game Design könne außergewöhnliche Ergebnisse hervorbringen.
  • Medienpädagogik: Museen als Orte der Begegnung weiterentwickeln und Interaktion fördern

Die Diskussion zeigte: Co-Creation im Museum ist kein Zukunftsmodell – sie entsteht bereits. Und überall dort, wo Mut, Experimentierfreude und echter Austausch zusammenkommen, öffnen sich tatsächlich neue Spielräume.

Quelle: MFG Baden-Württemberg
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