AMERIA – Technologie, die Kultur kann

In Heidelberg tritt AMERIA an, die Mensch-Maschine-Interaktion zu revolutionieren. Ihre Technik soll das Leben kreativer und menschlicher machen.

Eine Frau und ein Mann eingebaut in eine Grafik.
Nicole Huber, SVP Corporate Development, und Dr. Johannes Tröger, Deputy CEO von AMERIA. | © MFG Baden-Württemberg / AMERIA
AMERIA will die Mensch-Maschine-Interaktion revolutionieren. | © AMERIA
Das AMERIA Team in Heidelberg. | © AMERIA
Steuerung über Gesten. | © AMERIA
| Heidelberg

Mit unserer Reihe HIER GEMACHT holen wir Hidden Champions der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Baden-Württemberg ins Rampenlicht. Unternehmen und Personen, die im Land verwurzelt und weltweit gefragt sind – mit Ideen, die überraschen, verbinden und inspirieren.

Ganz unscheinbar wirkt der Eingang zum Gebäude im Heidelberger Innovationspark: kleines Schild, Glastür, fertig. Doch hinter dieser Tür wird Zukunft gemacht. Hier entwickelt das Softwareunternehmen AMERIA Interfaces, die den Umgang mit Technologie neu denken – intuitiv, berührungslos und menschenzentriert

“Wir wollten schon immer Technologien schaffen, die nicht distanzieren, sondern verbinden”, sagt Dr. Johannes Tröger, stellvertretender CEO bei AMERIA, während wir vor einem Bildschirm stehen. Auf dem Screen ist ein menschliches Herz zu sehen, das im Raum zu schweben scheint. Eine Handbewegung in der Luft – und es dreht sich: menschliches Herz von unten, von links nach rechts und wieder zurück. Die glasklare 3D-Visualisierung des Herzens bewegt sich vor unseren Nasen in alle Richtungen – gesteuert mit einem Fingerzeig. Die 3D-Darstellung auf dem Bildschirm funktioniert ganz ohne zusätzliches Gerät. 

Ein Schreibtisch weiter wartet die nächste Innovation: ein Laptop, den Tröger jetzt mit Handgeste und Fingerzeig bedient, eine klassische Tastatur gibt es nicht. Dafür leuchtet ein Avatar auf, der Trögers beispielhafte Suche nach Sneakern begleitet und aktiv Shoppingtipps gibt. 

Was nach Science-Fiction klingt, ist MaverickAI, die jüngste Entwicklung des Heidelberger Unternehmens AMERIA. Eine Maschine in Form eines modernen Laptops, die mitdenkt, zuhört, Gesten versteht – und dabei alle Daten dort lässt, wo sie hingehören: auf dem eigenen Gerät. “Wir haben das erste echte KI-Device geschaffen, das lokal funktioniert”, erklärt Tröger. “Das ist digitale Souveränität in der Praxis – also selbstbestimmt, unabhängig und sicher über die eigene digitale Infrastruktur, Daten und Technologien zu verfügen und zu entscheiden.”

Von der Idee zum Interface

AMERIA ist Vorreiter beim Thema Gestensteuerung und holte die Touch-free-Technologien aus der Nische. “Mit der Pandemie wurde das Thema ‘berührungslos’ größer”, erinnert sich Tröger. “Aber unser Ziel war nie Hygiene – sondern Kommunikation so natürlich wie möglich zu gestalten.”

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeitende – viele von ihnen Tüftler*innen, Designer*innen, Entwickler*innen, die sich bewusst für den Standort Heidelberg entschieden haben. “Hier treffen Erfindergeist und Bodenhaftung aufeinander”, sagt Tröger. “Das ist eine gute Mischung.”

Technologie, die versteht – und verbindet

Mit MaverickAI gelingt AMERIA nun der nächste Sprung. Das Gerät kombiniert KI und für Menschen natürliche Interaktionsmuster wie Zeigen, Sprechen, Erfahren in 3D in einem kompakten Laptopformat. Anstatt zu klicken oder zu wischen, genügt ein Fingerzeig, ein gesprochenes Kommando – und Maverick reagiert. Möglich wird das durch eine Kombination aus intelligenter Software und einem eigenständigen KI-Agenten. Das Besondere: Alle Daten bleiben auf dem Gerät. “Wir wollen, dass Technologie souverän bleibt – unabhängig von großen Cloud-Anbietern”, betont Tröger. ”Digitale Souveränität ist keine Floskel, sondern Voraussetzung, wenn Europa im Technologiewettbewerb nicht den Anschluss verlieren will."

Dass Hightech und Verantwortung zusammengehören, zeigt sich auch in den Einsatzgebieten: In Operationssälen oder Reinräumen können Ärzt*innen Informationen abrufen, ohne eine Oberfläche zu berühren. Auf Messen oder in Museen werden Inhalte durch Gestensteuerung interaktiv erfahrbar. So entsteht Technologie, die Alltag und Kultur gleichermaßen berührt.

“Technologie ist für uns ein Ermöglicher”, sagt Nicole Huber, die seit April 2025 bei AMERIA den Bereich Corporate Development mitverantwortet. “Wir denken Technologie nicht nur aus Sicht der Funktion, sondern immer auch strategisch: Wo entsteht gesellschaftlicher Mehrwert? Wo müssen technologische Schnittstellen souverän, zugänglich und zukunftsfähig sein?”

Wenn Technologie Kultur kann

Huber, früher Rechtsanwältin, war über 13 Jahre als Stadtdirektorin in Heidelberg tätig und ist nun seit Anfang 2020 in der IT-Wirtschaft. Bei der Stadt Heidelberg verantwortete sie unter anderem zentrale Querschnittsthemen wie Wirtschaft, Digitalisierung und strategische Stadtentwicklung. Sie ist seit mehr als fünf Jahren Vizepräsidentin der IHK Rhein-Neckar und war maßgeblich an der Konzeption des heutigen Heidelberg Innovation Park beteiligt – jener Technologiecampus, in dem die AMERIA ihren Sitz hat. 

Auch wenn der kulturelle Sektor bislang nicht im Zentrum ihrer Arbeit stand, sieht Huber darin Anknüpfungspunkte für zukünftige Projekte. “Viele Häuser lagern riesige Sammlungen, die kaum jemand zu Gesicht bekommt. Interaktive Technologien wie unsere könnten künftig helfen, diese digital zugänglich zu machen – niederschwellig, intuitiv und unabhängig vom Ort.”

Auch in der Architektur oder Bildung eröffnet AMERIAS Technologie neue Räume: “Wenn man Modelle, Daten oder Kunstwerke mit Gesten bewegen kann, wird der Inhalt körperlich erfahrbar”, sagt Huber. “Das schafft Nähe – und genau darum geht es beim Thema Kultur.”

Hier gemacht – mit Haltung

Dass AMERIA in Heidelberg gewachsen ist, ist kein Zufall. “Die Region hat eine besondere Mentalität”, sagt Tröger. “Hier gilt: Wer etwas anpackt, wird unterstützt.” AMERIA war eines der ersten Unternehmen im Heidelberg Innovation Park, einem Campus für junge Tech-Firmen. 

Die Gründerkultur des Landes – vom Tüftler bis zum Mittelständler – spiegelt sich im Unternehmen wider. AMERIA arbeitet in flachen Strukturen, mit einer Familienkultur, die von Zusammenhalt, Vertrauen und einem starken Wir-Gefühl geprägt ist. “Unsere Entwickler*innen sind keine Rädchen im System”, sagt Tröger. “Sie gestalten mit.”

Auch Nicole Huber sieht das Land als Motor für interdisziplinäre Innovationen: “Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine unterschätzte Partnerin für Tech-Unternehmen. Wenn Kunst, Design und Technologie zusammentreffen, entsteht etwas Neues – etwas, das Menschen wirklich erreicht.”

Doch sie sieht noch Potenzial: “Ich wünsche mir mehr Plattformen, auf denen sich Kreative und Tech-Leute begegnen können – ohne Agenda, einfach neugierig. Bootcamps, Labore, offene Räume. Nicht geplant, sondern neugierig und dezentral – so entstehen die besten Ideen.”

Blick nach vorn

Im Februar 2026 steht bei AMERIA gemeinsam mit Sony der internationale Launch des ersten gemeinsamen Produkts – ein interaktives 3D Display an. Das Interesse ist jetzt schon enorm. Doch im Heidelberger Büro bleibt man gelassen. Zwischen Whiteboards und Prototypen wird weitergetüftelt, diskutiert, ausprobiert.

“Wir machen Technologie, die verbindet”, sagt Tröger. “Nicht nur Menschen mit Maschinen, sondern auch Menschen miteinander.” Und Nicole Huber ergänzt: “Für uns gehört zu Technologie mehr als Funktion – sie braucht Haltung, Relevanz und den Mut, Zukunft bewusst zu gestalten. AMERIA steht für eine Generation von Tech-Unternehmen, die hier vor Ort verwurzelt – hier gemacht – ist, weltweit andockt und zeigt, dass Innovation nicht in der Cloud beginnt, sondern im Denken.”

Quelle: MFG Baden-Württemberg / Text: Nina Kwiatkowski
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