Drei nominierte Drehbücher für den MFG-gestifteten Thomas Strittmatter Preis 2026

Das weibliche Jury-Trio unter Vorsitz der Drehbuchautorin Laila Stieler wählte aus 60 anonymisierten Einreichungen aus – neuer Rekord!

Thomas Strittmatter, ca. 1990 | © Volker Derlath
| Stuttgart

Die drei Nominierungen für den renommierten, von der MFG gestifteten Thomas Strittmatter Preis 2026 stehen fest. In diesem Jahr gingen bei der MFG erstmals 60 Drehbücher ein, was ein neuer Rekord an Einreichungen ist. Für den Auswahlprozess durch die dreiköpfige Fachjury wurden die in Frage kommenden Drehbücher wie immer anonymisiert. Den Juryvorsitz übernahm wieder die vielfach preisgekrönte Drehbuchautorin, Dramaturgin und Producerin Laila Stieler („Gundermann“, „In Liebe eure Hilde“), die im vergangenen Jahr mit dem Preis der DEFA-Stiftung prämiert und erneut für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde.

Die nominierten Drehbücher und ihre Autorinnen bzw. Autoren sind (in alphabetischer Reihenfolge der Titel):

© Eva_Dieckhoff

Genre: Tragikomödie

Kurzinhalt: Julia ist eine junge, selbstbezogene Philosophiestudentin. Als ihr flüchtiger Opa untertaucht, muss sie sein illegales Altersheim übernehmen und bekommt dadurch eine Ahnung, was das Schöne am Menschsein ist. Eine radikale Konfrontation mit Verantwortung, Gemeinschaft und der Frage, was das Leben wirklich lebenswert macht.

Romina Küper, geboren 1992, wuchs im Ruhrgebiet und im Münsterland auf. Noch während ihres Studiums der Philosophie, Theaterwissenschaft und Komparatistik in Bochum und Berlin begann sie eine Karriere als Schauspielerin. Sie wurde jüngst als eine von zehn der interessantesten Newcomer des deutschen Films im Max Magazin gelistet. Seit 2021 studiert sie Szenische Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. 

©privat

Genre: Drama

Kurzinhalt: Die 17-jährigen Jugendlichen Jonas und David liegen beide wegen ihrer Krebserkrankung in der Onkologie und werden durch diesen gemeinsamen Schicksalsschlag engste Freunde. So eng, dass nur noch Liebe dazwischenpasst.

Duc-Thi Bui wurde in Vietnam geboren und kam im Kindesalter mit seiner Familie als Boat People nach Deutschland. Er studierte zunächst Architektur & Stadtplanung (Diplom Ingenieur) in Stuttgart und später Film und Drehbuch (Bachelor of Arts) in Köln. Zusammen mit Co-Autor und Regisseur Duc Ngo Ngoc hat er das Drehbuch für den Kinofilm „Ha-Neu/Berlin“ (AT) fertiggestellt, das mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde und von ostlicht Filmproduktion zusammen mit dem BR und SWR realisiert wird. Sein Langfilm-Drehbuch „Die fünf Steine“ wurde von der MFG gefördert und erhielt 2019 im Rahmen der Akademie für Kindermedien den Förderpreis des Magellan Jugendbuchverlags. Er lebt in Stuttgart.

Philipp Lutz, studierte zunächst Jura in Tübingen und wechselte dann 2001 nach Köln, um Film an der ifs zu studieren. Direkt nach dem Abschluss machte er sich im Oktober 2010 mit Lutzfilm in Köln selbstständig und arbeitet seither als Produzent, Autor und Regisseur – je nach Projekt. In diesen Positionen hat er schon zahlreiche Dokumentationen und Reportagen für ARTE, WDR, SWR und das ZDF konzeptioniert und realisiert, aber auch diverse fiktionale Kurzfilme realisiert, die von der Film- und Medienstiftung NRW, dem BKM, der FFA und dem Kuratorium junger deutscher Film gefördert wurden. 

© Verlag der Autoren

Genre: Drama, Gesellschaftssatire

Kurzinhalt: Die unangepasste afghanische Marathonläuferin Zainab Gul (20) schafft es ins „gelobte Land“ USA und muss dort einen Job als Statistin in Kriegssimulationen der Army annehmen. In einem absurden Fake-Afghanistan aus Containern und Pappmaché trainiert sie in Burka und Lasertag-Weste wie besessen für den großen NYC Marathon, um mit dem Preisgeld ihren Vater aus dem afghanischen Gefängnis freizukaufen.

Stefanie Fies, geboren 1981 in Freiburg, war nach dem Abitur unter anderem freie Journalistin und Medienkünstlerin. Neben filmischen Auftragsarbeiten entstand Experimentelles, die z. B. auf den 56. Kurzfilmtagen Oberhausen und dem Museum of Computer Art New York aufgeführt wurden. 2011–2017 absolvierte sie ein Studium im Fachbereich Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg und war 2021–2023 Headautorin der ZDF-Krimiserie „Letzte Spur Berlin“. Sie lebt in Freiburg und ist seit 2022 Dozentin für Drehbuch. 

Für die Nominierungen erhalten die Autoren und Autorinnen eine Prämie von je 2.500 Euro. Wer den mit 20.000 Euro dotierten Thomas Strittmatter Preis erhält, gibt die Jury am 18. Februar im Rahmen einer festlichen Veranstaltung während der Internationalen Filmfestspiele Berlin (12.–22.2.2026) bekannt, zu der zahlreiche Gäste aus der Film- und Fernsehbranche erwartet werden. Überreicht wird der Preis vom Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Arne Braun, und MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen in der Landesvertretung Baden-Württembergs. 

Der Thomas Strittmatter Preis ist nach dem badischen, jung verstorbenen Schriftsteller und Drehbuchautor (1961–1995) benannt und ist eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Drehbücher. Sie wird jährlich von der MFG Baden-Württemberg gestiftet – in diesem Jahr zum 27. Mal. 

Die Jury des Thomas Strittmatter Preises 2025 (v.li.n.re.): Laila Stieler ©Andreas Höfer, Güzin Kar © Felix von Muralt, Anna Kokenge ©Andreas Höfer. | © Andreas Höfer, Felix von Muralt
  • Laila Stieler (Juryvorsitz) ist seit ihrem Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg (1986–1990) als Drehbuchautorin, Dramaturgin und Producerin tätig. Vor allem mit den Drehbüchern für Filme von Regisseur Andreas Dresen erlangte Laila Stieler großes Renommee und erhielt zahlreiche Preise, z. B. 2001 den Adolf Grimme Preis in Gold („Die Polizistin“), 2019 den Deutschen Filmpreis Lola („Gundermann“) und 2022 den Silbernen Bären der Berlinale (für die Vorlage zu „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“). Zuletzt schrieb Laila Stieler das Drehbuch für den Andreas-Dresen-Film „In Liebe, Eure Hilde“ (2024) und für den TV-Film „Polizei“. 
     
  • Güzin Kar Die Regisseurin, Drehbuchautorin und Autorin studierte 1994–1999 im Bereich Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg und lebt seither in der Schweiz. Dort schrieb Kar diverse Sketch- und Stand-Up-Comedys, Kolumnen für Schweizer Zeitschriften, Romane und Drehbücher, unter anderem für den Kinofilm „Fliegende Fische müssen ins Meer“, für den sie mehrere Auszeichnungen erhielt, darunter 2011 auf dem Filmfest ‚Max Ophüls Preis‘ in Saarbrücken. Ihr Kurzfilm „Deine Straße“ erhielt 2021 den Schweizer Filmpreis als Bester Kurzfilm.
     
  • Anna Kokenge studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitete für sechs Jahre am dortigen Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte, wo sie in einem Team auch ein fernsehgeschichtliches Podcast-Projekt zur „Tatort“-Reihe konzipierte und veröffentlichte. Daneben ist sie im Bereich Public History am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und an der Deutschen Kinemathek in Berlin beschäftigt. Ihre Forschungen führten Kokenge auch mehrfach an Institute und Universitäten ins Ausland. Seit Juli 2023 ist sie als Assistentin der Geschäftsführung und im Filmbereich von henschel SCHAUSPIEL tätig.
Quelle: MFG
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