FFA-Kinobilanz 2017

Die Besucherzahlen sind auch nach der schlechten Bilanz des Vorjahres nicht wesentlich gestiegen

Bereits Anfang Januar, als ComScore seine vorläufigen Zahlen für den Kinomarkt 2017 vorlegte, war offensichtlich dass sich die teils hohen Erwartungen an einen "Rebound" nach dem enttäuschenden Jahr 2016 sich nur bedingt erfüllt hatten. 5,3 Prozent Plus nach Umsatz nahmen sich zwar recht solide aus. Aber ein Anstieg der Besucherzahlen um gerade einmal 2,5 Prozent nach einem Vorjahr, in dem diese um satte 17,1 Prozent zurückgegangen waren, animierte nicht unbedingt zum Jubeln. Und dabei lag der Wert sogar noch etwas zu hoch.

Minimales Besucherplus

Die FFA hat im Vorfeld der Berlinale ihre offizielle Bilanz für das vergangene Kinojahr vorgelegt - und das ohnehin schon als schwach bekannte Besucherwachstum ist damit endgültig auf einen Wert zusammengeschmolzen, mit dem man nicht zufrieden sein sollte: ein Prozent. Mit 122,3 Mio. Besuchern lieferte 2017 einen Wert, wie man ihn auch in der jüngeren Historie - genauer gesagt 2016 und 2014 - zwar schon zwei Mal schwächer erlebt hatte. Allerdings jeweils in einem EM- bzw. WM-Jahr. Im Fünf-Jahres-Vergleich lagen die Besucherzahlen um 3,5 Prozent unter dem Durchschnitt. Zwar gelang es - und das ist ein durchweg positives Zeichen - gleich drei Neustarts, namentlich "Fack Ju Göhte 3", "Ich - Einfach unverbesserlich 3" und "Star Wars: Die letzten Jedi" noch im Kalenderjahr (teils deutlich) mehr als vier Mio. Besucher anzuziehen, was 2016 bekanntlich kein einziger Film schaffte. Aber die Besuchshäufigkeit verharrte nahezu auf dem schwachen Niveau des Vorjahres, lag mit 1,48 nur um 0,01 höher.

Umsatz-Silbermedaille

Beim Boxoffice kann die Bewertung indes deutlich positiver ausfallen. Zum einen, weil gut 3,2 Prozent Plus eben mehr als nur ein Resultat in etwa auf dem Niveau des Vorjahres sind. Zum anderen, weil nicht nur zum fünften Mal die Schallmauer von einer Milliarde Euro Ticketumsatz durchbrochen wurde - seit dem erstmaligen Erreichen der Marke im Jahr 2012 war nur 2014 unrühmlicher Ausreißer nach unten - sondern weil mit insgesamt gut 1,056 Mrd. Euro auch gleich noch das zweithöchste Ergebnis in der Geschichte des Kinos (nicht inflationsbereinigt, versteht sich) eingefahren wurde. Zum bisherigen historischen Rekordergebnis aus 2015 fehlen rund 111 Mio. Euro oder 9,5 Prozent. Das ist zwar kein Pappenstiel, aber die sprichwörtlichen Welten liegen nun auch wieder nicht zwischen den beiden Jahren. Im Fünf-Jahres-Vergleich lag das Kinoergebnis 2017 um 0,6 Prozent über dem Durchschnitt. Noch ein Detail: Nachdem die Multiplexe 2016 deutlich stärker eingebüßt hatten als der restliche Kinomarkt, stabilisierte sich ihr Besucher- bzw. Umsatzanteil bei zuletzt 44,5 bzw. 47,9 Prozent.

Deutscher Film solide

Auch wenn der deutsche Marktanteil gewachsen ist - ein veritabler Sprung sieht womöglich noch ein wenig anders aus. Nach oben ging es um 1,2 Punkte auf 23,9 Prozent oder um rund 600.000 Besucher auf 28,3 Mio. gelöste Tickets. Einmal mehr zeigte sich - Goehte lässt grüßen - dass einzelne Filme weit mehr als nur das Zünglein an der Bilanz-Waage darstellen. International wie national. Beachten sollte man übrigens, dass die FFA traditionell auch minoritär deutsche Koproduktionen in dieser Betrachtung berücksichtigt. Und hier meldet sich mit "Wilde Maus" die erfolgreichste erst auf Rang 26. Im vorletzten Jahr waren mit "The First Avenger: Civil War" und dem "Panem“-Finale hingegen gleich zwei US-Blockbuster unter den "deutschen" Top 10. Legt man also eine etwas strengere Betrachtungsweise an, dürften rein oder majoritär deutsche Produktionen im Jahresvergleich deutlich stärker zugelegt haben, als es diese Statistik aussagt.

 

Quelle: Marc Mensch, mediabiz.de

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