Kinopreis 2018 des Kinematheksverbundes an Kommunale Kinos

Feierliche Preisverleihung am Potsdamer Platz

Preisträger 2018 | Bild: Stefanwoski

Vergangenen Freitag, 26. Oktober 2018, wurden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Filmhaus am Potsdamer Platz, Berlin zum 19. Mal die Kinopreise des Kinematheksverbundes vergeben, der einzigen Auszeichnung, um die sich ein Kommunales Kino in Deutschland bewerben kann. Prämierungen in vier Kategorien zeichnen die Arbeit von Kommunalen Kinos und filmkulturellen Initiativen aus, die für außergewöhnliche Filmprogramme stehen. Ihr Engagement für die Weiterentwicklung des Kinos als Ort der Vielfalt, als kultureller Treffpunkt und Kulturgut wird damit gleichermaßen gewürdigt. Innerhalb der vier Kategorien wurden in drei Kategorien Kommunale Kinos in Baden-Württemberg bedacht und von den insgesamt 21 Preisen gingen sechs in unser Bundesland, auch die wichtigste Auszeichnung, der mit 6.000 Euro dotierte „Lotte-Eisner-Preis“, für das Kommunale Kino Pforzheim.

 

Die Preisträger aus Baden-Württemberg:

Kommunales Kino Pforzheim: Lotte-Eisner-Preis (Hauptpreis)

Zebra-Kino Konstanz: 1. Preis Kategorie „Kino, das wagt“

Kommunales Kino Freiburg: 2. Preis Kategorie „Kino, das wagt“

Cinema Quadrat Mannheim: 2. Preis Kategorie „Kino, das bildet“

aka-Filmclub, Freiburg: 2. Preis Kategorie „Kino, das bildet“

Kinemathek Karlsruhe: 2. Preis Kategorie „Kino, das verbindet“

 

Jury-Begründungen:

Lotte-Eisner-Preis

Der Lotte-Eisner-Preis wird für eine herausragende Programmarbeit ausgelobt, die Maßstäbe setzt und eine begeisterte und kritische Auseinandersetzung mit der Filmgeschichte und ihren Präsentationsformen ermöglicht.

Der diesjährige Preisträger, das Kommunale Kino Pforzheim, schafft es seit vielen Jahren, das Kino als sozialen Begegnungsraum und Ort für Filmkunst in einer Stadt lebendig zu halten, die sich einigen politischen Herausforderungen stellen muss. Schon das Logo des ausgezeichneten Kommunalen Kinos Pforzheim setzt ein cinephiles Zeichen: Der Name des Filmtheaters wird von angedeuteten Perforationslöchern analogen Filmmaterials eingerahmt. Die Geschäftsführerin des Kommunalen Kinos Pforzheim und ihre Mitstreiter*innen füllen diesen Rahmen mit viel Liebe zum Kino als sozialem Raum der Bildung. Seit knapp 25 Jahren werden hier „andere Filme anders gezeigt“, und das kann bedeuten, dass „Harold und Maude“ auf dem Hauptfriedhof vorgeführt wird, dass Stummfilme in Kirchen von der Orgel begleitet werden oder dass in einer schwierigen politischen Umgebung intensiver Austausch zwischen Geflüchteten und Einheimischen durch Kino- und Filmgeschichte gepflegt wird. Es kann aber auch heißen, dass Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom“ programmiert werden neben einem lokalen Thema wie dem von Hand gefertigten Schmuck, ein Markenzeichen Pforzheims. Es ist ein Kommunales Kino im wortwörtlichen Sinne, es reagiert flexibel, filmkritisch und kreativ auf Herausforderungen. Es stiftet nicht zuletzt diskursiven Gemeinsinn durch die cinephile Gestaltung seines vielfältigen Gesamtprogramms.

Kategorie „Kino, das wagt“

Dieser Preis geht an Programme, die neue filmästhetische Perspektiven anbieten. Er zielt auf die Präsentation filmkünstlerischer Werke abseits des Mainstreams sowie innerhalb der verschiedensten Genres. Gewürdigt werden innovative Ansätze in Programmstruktur und Präsentationsformen.

Den ersten Preis vergibt die Jury wie im Vorjahr an das Zebra-Kino in Konstanz. Dessen Kinokollektiv hätte es sich mit seiner Arbeit im letzten Jahr leichter machen können. Durch die Schließung des ortsansässigen Scala-Kinos hatte man plötzlich das Arthouse-Monopol und hätte nun Chartserfolge spielen können. Doch man ging konsequent einen anderen Weg. Nach wie vor gibt es im Zebra-Kino ein unkonventionelles Programm mit innovativen Filmreihen und Besonderheiten, die zeigen, dass man das Kino als Ort begreift, der zu demonstrieren vermag, dass es steten Wandel gibt und man fortwährend auf der Suche bleiben muss.

Das Kommunale Kino in Freiburg im Breisgau, beheimatet in einer der lebendigsten Kinostädte Deutschlands, muss sich mit seinem Programm der überdurchschnittlichen und kompetenten städtischen Konkurrenzsituation stellen.

Kategorie „Kino, das bildet“

Hier werden innovative, generationenübergreifende Vermittlungskonzepte prämiert, zudem solche Angebote, die Kindern und Jugendlichen Filme als künstlerische Werke näherbringen und zu tieferer Beschäftigung mit ihnen anregen.

Mannheim ist eine schwierige Kinostadt, und über Jahre war auch der Standort mehr als problematisch, doch die Macher*innen des Cinema Quadrat haben sich nicht unterkriegen lassen. Ihr Filmsymposium „3D – Eine weitere Dimension?“, das Akira Kurosawa gewidmete Filmseminar in der Reihe „Psychoanalyse und Filmtheorie“, die Reihe „Propaganda im NS-Kino“ oder die „Agenda-21-Kinowoche“ verschafften dem Kino diesen Preis.

Rein ehrenamtlich organisiert der aka-Filmclub in Freiburg im Breisgau sein Programm. Als Besonderheit 2017 sei das Technicolor-Festival erwähnt. Trotz fehlender fester Zuschüsse gelingt es immer wieder, ein spannendes, abwechslungsreiches Programm zu stricken.

Kategorie „Kino, das verbindet“

Der Preis zeichnet nachhaltige Kooperationen mit politischen, sozialen und kulturellen Initiativen für eine gesellschaftliche Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen sowie interkulturelle Kinokonzepte aus.

Nicht allein mit den programmatischen Schwerpunkten der Festivals „Handicap im Film“ und „Pride Pictures“ erregte die Kinemathek Karlsruhe Aufsehen. Auch die Nutzung von Skype für Gespräche zwischen Zuschauern und Filmemacher*innen deutet auf ein neues Kinoverständnis.

Quelle:Pressemitteilung des Landesverband Kommunale Kinos Baden-Württemberg vom 31. Oktober 2018

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