Baden-Württemberg-Premiere des MFG-geförderten Dokumentarfilms „Das fast normale Leben“

Die Premiere fand im Rahmen der Reihe DOK Premiere des Hauses des Dokumentarfilms in Stuttgart statt.

| Stuttgart

Am Dienstagabend fand eine ausverkaufte, sehr bewegende Baden-Württemberg-Premiere des MFG-geförderten Dokumentarfilms „Das fast normale Leben“ im atelier am bollwerk in Stuttgart statt. Der Film wurde im Rahmen der Reihe DOK Premiere des Hauses des Dokumentarfilms in Kooperation mit der MFG und den Arthaus Kinos Stuttgart im Namen von mindjazz pictures, der Produktionsfirma AMA Film aus Stuttgart und dem Koproduzenten SWR präsentiert. 

„Das fast normale Leben“ ist das Ergebnis einer jahrelangen Beobachtung des Regisseurs Stefan Sick in einer betreuten Wohngruppe für Jugendliche, die zeitweise ohne ihre Eltern aufwachsen (müssen). Sick begleitete den Alltag von vier Mädchen aus der Gruppe und sammelte viele Momente des Trotzes, Aufbegehrens und Streits, der Verzweiflung und Wut, aber auch Momente der Freude, gegenseitigen Zuneigung und Hoffnung. Mit über zwei Stunden Länge gelingt es Sick, die Entwicklungen der Mädchen zusammen mit ihren jeweiligen Bezugspersonen nachvollziehbar zu machen und zugleich die herausfordernde Arbeit der Sozialarbeiter*innen zu illustrieren.

Im Anschluss an den sehr berührenden Film, der bei der Mehrheit der Zuschauer*innen kein Auge trocken ließ, entspann sich eine lebhafte Diskussion über die im Film gezeigten Aspekte von Jugendbetreuung und über die generelle Problematik, das Leben von Benachteiligten ausführlich auszubreiten. Nicht nur der Regisseur, sondern auch der ehemalige Leiter der Wohngruppe und andere professionelle Betreuer*innen rechtfertigten die Unternehmung – nicht nur mit der Qualität des fertigen Films und der sensiblen Herangehensweise, sondern auch mit dem Argument, dass die Stigmatisierung und vorurteilsgeprägte Sicht auf Heime und deren Bewohner*innen durch diesen Film korrigiert werden kann. Genauso positiv und optimistisch äußerte sich beim ausführlichen Filmgespräch auch eine der Protagonistinnen aus dem Film, die Gruppenbewohnerin Lena, der dank ihrer direkten und verblümten Art des Auftretens die Sympathien des Publikums zuflogen. Nicht zuletzt dank Lenas Beiträgen rundete sich der Premierenabend zu einem ebenso aufschlussreichen wie bewegenden Erlebnis. Film und einstündige Diskussion verdeutlichten den Zuschauer*innen, welche individuelle Energie und Geduld sowohl den Bewohner*innen wie den Betreuer*innen abverlangt wird, unter widrigen Umständen alle Probleme des Alltagslebens zu meistern und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln zu können – und welche starken Persönlichkeiten sich hinter den teils verletzlichen und verletzten Mädchengesichtern verbergen. 

Bei Kinobetreiber Simon Erasmus waren neben den Geschäftsführern der MFG, Carl Bergengruen und des Hauses des Dokumentarfilms, Eric Friedler, außerdem die beiden AMA-Produzentinnen Ulla Lehmann und Andrea Roggon, Regisseur Stefan Sick und SWR-Dokumentarfilmredakteurin Esther Saoub zu Gast, ebenso wie Cordula Bächle-Walter (Regionalleitung Friedenshort Süd), Matthias Reuting (Leiter der Abteilung Kinder, Jugend und Familie Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e. V.), Moderator Goggo Gensch, Protagonistin Lena und vom Verleih mindjazz Pictures Miriam Pflüger und Holger Recktenwald, denen eine große Kinotour durch 34 deutsche Städte bevorsteht. Kinostart ist der kommende Donnerstag, 22. Januar 2026. Nicht verpassen! 

Quelle: MFG Baden-Württemberg
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